BIG BROTHER…is watching you!

16. März 2009

Erinnern Sie sich noch? Gleich zu Anfang dieses Jahrtausends ging eine Schockwelle durch die Medienlandschaft. Da plante doch tatsächlich ein Niederländer namens John de Mol, rund ein Dutzend Menschen in einen 153 Quadratmeter messenden Wohncontainer zu sperren, sie dort rund um die Uhr mit Kameras zu beobachten und das ganze, teilweise live, im Fernsehen auszustrahlen. Die Zurschaustellung privatester und intimster Angelegenheiten zur Befriedigung des Voyeurismus der medialen Öffentlichkeit – Big Brother war geboren.

Der Aufschrei in der Gesellschaft war groß: Es wurde diskutiert, ob Judikative, Legislative und Exekutive diesem in vieler Augen ethisch fragwürdigen Tabubruch Einhalt gebieten sollten. Zahllose Experten taten – gefragt und ungefragt – ihre Meinung zum Thema kund, in Internet-Foren diskutierten die User sich die Köpfe heiß. Doch Big Brother flimmerte weiterhin über die Bildschirme, und das, zumindest was die ersten Staffeln angeht, überaus erfolgreich. Inzwischen läuft die neunte Big Brother-Staffel. Und wen regt es noch auf? Niemanden. Die allermeisten Bundesbürger haben davon nicht einmal mehr Notiz genommen, so sehr sind die damaligen „Tabubrüche“ zur Normalität geworden. Ein schönes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit des Menschen und seine schnelle Akzeptanz scheinbar unveränderlicher Gegebenheiten.

Und damit möchte ich auf mein eigentliches Thema kommen, welches mich jedoch unweigerlich an Big Brother erinnerte. Wieder sind es nämlich die Niederländer, die radikale Eingriffe in die Privatsphäre ihrer Bürger planen. Im Unterschied zu Big Brother ist jedoch diesmal nicht nur eine geringe Anzahl Freiwilliger betroffen, sondern im Grunde alle Autofahrer des Landes.

Doch von vorne: Bisher sind die Niederlande ein Maut-freies Land. Dass sich das in Zukunft ändern soll, ist für die Autofahrer ärgerlich, aber kein Grund zu übertriebener Aufregung, denn schließlich erheben inzwischen viele europäische Staaten Straßenbenutzungsgebühren in irgendeiner Form. Dass nun nach dem von Regierung und Parlament bereits abgesegneten Mautkonzept jeder motorisierte Verkehrsteilnehmer für jeden in den Niederlanden gefahrenen Kilometer Straßenbenutzungsgebühren bezahlen soll, ist schon ein dickerer Brocken, der erst einmal verdaut werden muss. Diese „Abrechnung nach Verbrauch“, die unter anderem einen variablen Tarif je nach Schadstoffemissionen, Tageszeit und Art der genutzten Strecke vorsieht, lässt sich aber grundsätzlich auch noch vertreten.

Der eigentliche Hammer ist die technische Umsetzung. Nach Information von Spiegel-Online,  eines anerkannt seriösen Nachrichtenportals, soll ein satellitenbasiertes Erfassungssystem mit einer entsprechenden Erkennungsbox in jedem Fahrzeug angedacht sein. 2011 sollen zunächst eine Million holländische PKWs damit ausgerüstet werden, bis 2016 dann alle Fahrzeuge unseres Nachbarlandes. Damit ließe sich die individuelle Straßenmaut sicher prima abrechnen…

Doch bedeutet dieses System im Klartext automatisch auch die Möglichkeit zur Verfolgung und Protokollierung, zu welchem Zeitpunkt sich ein bestimmtes Fahrzeug über einen bestimmten Weg an einen bestimmten Ort bewegt hat! Gegen diese 1A-Möglichkeit zur organisierten Datensammlung ist selbst jede Form der Rasterfahndung sprichwörtlich kalter Kaffee. Während potentiellen Nutzern solcher Daten das Wasser im Munde zusammen läuft, stehen Datenschützern angesichts der sich durch ein solches System eröffnenden Möglichkeiten schier die Haare zu Berge: Technisch möglich wäre beispielsweise nicht nur die Erstellung von genauen Bewegungsprofilen, sondern auch die kontinuierliche Geschwindigkeitsüberwachung aller Fahrzeuge. Darüber hinaus dürften sich neben Kriminal- und Steuerbeamten auch bald Versicherungen für die Bewegungsdaten interessieren. Spätestens dann sollte es auch denjenigen unangenehm werden, die „nichts zu verbergen“ haben. Und das alles in Zeiten, da regelmäßig neue Pannen und unseriöse Machenschaften im Umgang mit sensiblen Daten bekannt werden… Es werden Szenarien denkbar, die sich selbst George Orwell wohl nicht träumen ließ, als er seinen berühmten Science Fiction-Roman „1984“ schrieb und in diesem den berühmten Ausspruch „Big Brother is watching you“ prägte.

Vermutlich jedoch wird es so kommen, wie einst bei der gleichnamigen Fernsehsendung: Man gewöhnt sich eben an alles…

 

Sebastian Brühl 

Abwrackprämie – ein Denkzettel für BMW, Audi & Co.!

5. März 2009

So fröhlich und zuversichtlich in die Zukunft schauend habe ich Autohändler in den letzten Wochen in Deutschland noch nie gesehen. Die Verkaufsräume werden regelrecht gestürmt, denn das Thema Auto ist in aller Munde und diesmal endlich auch wieder im positiven Sinne. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung und die eingeführte Abwrackprämie von 2.500 Euro für einen mindestens 9 Jahre alten Gebrauchten bei gleichzeitiger Anschaffung eines neuen Fahrzeugs, das mindestens die Schadstoffklasse Euro IV erfüllt, stürzen aus dem Nichts heraus, wahre Massen an Verbrauchern in einen Autokauf-Rausch. Dass das menschliche Verhalten nicht immer ganz rational zu erklären ist, darin sind wir uns sicherlich an dieser Stelle einig. Aber vielleicht sollte der momentane Erfolg der Abwrackprämie die Bosse unserer großen Automobilkonzerne wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz, Audi usw. zum Nachdenken bewegen. Fakt ist nach den ersten Monaten, dass Käufer, die die Abwrackprämie ausnutzen, zu fast 90 % ein Fahrzeug kaufen, was nach Abzug des staatlichen Zuschusses nur noch einen Preis von 5.000 bis 7.500 Euro hat. Und da schauen unsere etablierten Autobauer aus dem deutschen Lande leider regelrecht in die Röhre. Weder Mercedes-Benz, Audi, BMW, Opel oder auch Volkswagen haben ein solches Modell im Programm. Und so freut sich die Konkurrenz aus Fernost ein Loch in den Bauch, denn sie darf sich freuen, den Großteil der 600.000 durch die Abwrackprämie subventionierten, geplanten Neuwagen-verkäufe in ihren Bilanzen zu verbuchen (die     Prämie wurde auf 1,5 Milliarden Euro limitiert). Und genau diese Tatsache sollte doch zu denken geben und ist der latente Beweis für eine zum Teil doch verfehlte Marktpolitik der deutschen Automobilindustrie. Was wurde Renault vor einigen Jahren belächelt, als die Franzosen in Rumänien begannen unter der Marke Dacia den Logan für deutlich unter 10.000 Euro zu bauen. Die Fachleute stürzten sich erzürnt auf das Thema mit den Fragen: Wer soll so was kaufen und ist ein Auto für weniger als 10.000 Euro überhaupt noch ein Auto? Tja, aber eigentlich hätte den Herren Autobossen schon zu dieser Zeit ein Licht aufgehen müssen. Leider aber nicht! Und so wurde der Logan zum Kassenschläger und sein Bruder Sandero tut es ihm auf Anhieb gleich. Sicherlich möchte ich an dieser Stelle den Premium-Anspruch unserer deutschen Automobilhersteller nicht anzweifeln, doch hätte man sich auf die absehbaren weltweiten Marktveränderungen vorbereiten müssen. Ist es denn nicht auch Aufgabe eines Konzernmanagers Entwicklungen vorherzusehen und seine Produkte an einer gewissen logischen Nachfrage zu orientieren. Und genau aus diesem Grund kann ich nicht verstehen, dass keiner der großen Hersteller wenigstens ein Modell im Programm hat, dass für einen Grundpreis von knapp unter 10.000 Euro käuflich zu erwerben ist. Deshalb bleibt zu hoffen, dass der gesellschaftlich traurige Erfolg der Abwrackprämie die Auto-    industrie wachgerüttelt hat und wir auf der übernächsten IAA in Frankfurt dann endlich zeitge mäße Automobile werden bestaunen können.  Olivier Fourcade 

Ein ganz normaler Winter!

14. Januar 2009

Wir Deutschen sind ein Volk, das leider immer zu leichten Übertreibungen neigt. Den historischen Charakter dieser Bemerkung wollen wir an dieser Stelle sicherlich nicht erläutern. Aber in den letzten Wochen konnte man genau diese Neigung zur Übertreibung und ständiger Unzufriedenheit mit sich und der Welt im Allgemeinen wieder deutlich spüren. Und dabei ging es jetzt nicht unbedingt um die weltweite Wirtschaftskrise und ihren Folgen für die deutsche Wirtschaft und jedermanns Geldbeutel. Nein, es ging ganz profan nur um das Wetter. Irgendwie hatten wir uns an die Horrornachrichten der globalen Klimaerwärmung gewöhnt, an milde Winter mit Temperaturen von bis zu 15 Grad, den Anblick von Schnee hatten wir aus unseren Erinnerungen gestrichen und den Eiskratzer auf dem Flohmarkt schon lange verkauft. Und dann werden wir plötzlich von arktischen Temperaturen überrascht, na ja überrascht ist eigentlich falsch, denn die Meteorologen hatten den Wintereinbruch ja vorhergesehen und auch über die Heftigkeit gab es keine vorab Zweifel. Dennoch stürzte sich Deutschland wieder einmal in ein mediales Chaos. Newsticker bei N-TV, Sondersendungen bei den öffentlich-rechtlichen Programmen, und dramatisch inszenierte Reportagen erinnerten fast an eine Kriegsberichterstattung. Blinkende Autos im Graben, quer stehende Lkw’s, überforderte Streudienste und Rettungskräfte, stundenlange Sendungen über Obdachlose in den Innenstädten, es schien fast schon so, als ob Deutschland von einem unbändigen Chaos heimgesucht worden wäre. So titelten die Boulevard-Blätter mit perfekt inszenierter medialer Dramaturgie: „Ganz Deutschland friert ein! Nichts geht mehr!“. Wie oben erwähnt, wir neigen zu Übertreibungen. 
Fakt ist, es war und ist ein ganz normaler Winter in Deutschland. So war im hohen Norden z.B. nichts los, kein Schnee oder Eisregen und auch kein Chaos. Die Mitte Deutschlands bekam von den Wettergöttern bis zu zwanzig Zentimeter Schnee und „sibirische“ Temperaturen geschenkt, was die Bevölkerung in ein kollektives Stöhnen versetzte. Der Süden musste zwar auch bibbern, doch dort sind es die Menschen gewohnt, dass es im Winter winterlich ist. Und ein Verkehrschaos hat es auch nicht gegeben, denn nicht nur, dass mittlerweile wohl über 90 % der Autos in Deutschland mit Winterreifen unterwegs sind, sondern auch die vielen Regelsysteme in unseren Fahrzeugen erleichtern das Fahren bei winterlichen Bedingungen enorm. Und vergessen sollte man auch nicht, auf frischem Schnee fährt es sich hervorragend.
Bei all der Panikmache und Dramaturgie fragt man sich, wie unsere Eltern und Großeltern wohl solche normalen Winter überlebt haben – ohne ABS, ESP, Winterreifenpflicht usw.! Dass auch Flüsse wie der Rhein oder die Mosel zufrieren können, ist kein Wunder! Und zur Krönung dieser unsäglichen Winterposse erklärte vor kurzem ein Meteorologe im deutschen Fernsehen auf die Frage, warum es denn trotz Klimaerwärmung plötzlich in ganz Europa so kalt sei: „Das Klima ist wie ein gezinkter Würfel, manchmal fällt er halt auf den Winter. Aber den Anblick von Schnee werden wir wohl sobald nicht mehr zu Gesicht bekommen, außer auf Fotos!“ Schrecklich, für wie dumm wir jeden Tag gehalten werden!
olivier fourcade

Ein Stern hinter den Wolken!

4. Januar 2009

Die weltweite Finanzkrise, dessen Auswirkungen wir mittlerweile in fast allen Bereichen unserer Wirtschaft zu spüren bekommen, hat aber auch eine positive Wirkung. So ist plötzlich vielen von uns bewusst geworden, dass der Kapitalismus an sich zwar nicht unbedingt in Frage gestellt werden muss, sondern dass das Streben nach ewigem Wachstum eine riesige Lüge ist. Unser Wirtschaft und ihre verschiedensten Industriezweige können nicht jedes Jahr die kühnsten Wachstumsprognosen erfüllen, alleine aus dem Grund heraus, dass alle Märkte spezifische Sättigungsgrade besitzen. Wir merken ja schon alle an unseren eigenen Bedürfnissen, dass wir nach dem mittlerweile zum Standard gehörenden Zweit-Handy nicht alle paar Monate neue Mobiltelefone kaufen, oder sogar noch einen dritten oder vierten Kartenvertrag unterschreiben können. Auf diese Entwicklung hätten sich die Handyhersteller und Telefonfirmen von vorne herein einstellen müssen! Haben sie aber nicht und so ist das Geschrei jetzt groß. Die Autoindustrie erlebt einen ähnlichen Fall, der jedoch noch ein wenig komplexer ist und von Hersteller zu Hersteller immer wieder anders interpretiert werden muss. Natürlich ist der mögliche Fall der „Big Three“ aus Detroit, GM, Chrysler und Ford eine tragische Geschichte und wir können nur hoffen, dass das absolute Horrorszenario nicht eintreten wird. Dennoch haben die Autopäpste aus Detroit die Zeichen der Zeit seit mehreren Jahrzehnten nicht erkannt. So ist deren momentane Lage nicht eine Konsequenz der Bankenkrise, sondern das Resultat von dramatischer Arroganz und Misswirtschaft und dass seit den siebziger Jahren…!

Die deutschen Autobauer heulen zwar fast unisono zurzeit lauthals mit den Wölfen, doch ist deren Lage alles andere als dramatisch einzustufen. So werden Marken wie VW, Skoda oder auch Audi exzellente Verkaufszahlen in 2008 erreichen, denn sie konnten nicht nur mit innovativen neuen Modellen trumpfen, sondern produzierten auch Fahrzeuge, die maßgeschneidert für die Kundschaft waren. Dass die Nobelmarken Mercedes-Benz und BMW in den letzten Monaten arg zu knabbern hatten, ist zum größten Teil selbst verschuldet. Bei BMW stimmen die Absatzzahlen, jedoch erwarten die Vorstandsvorsitzenden von jedem neuen Geschäftsjahr zweistellige Zuwachsquoten bei Absatz und Rendite. Dies hat zwar in den letzten Jahren perfekt funktioniert, geht aber nicht immer! So ist das massive Sparprogramm mit der Entlassung von tausenden Arbeitern ein trauriges Kapitel der Firmengeschichte der Marke mit dem Propeller und das Geschrei nach staatlicher Hilfe pure Heuchelei.

Bei Dr. „Z“ in Stuttgart sieht es auch nicht unbedingt rosig aus, aber wie bei den „big Three“ in den USA, hat man auch bei Mercedes-Benz viele Trends der letzten Jahre nicht erkannt, ist lange Zeit über massive Qualitätsprobleme bei der Elektronik in der E- und S-Klasse gestoßen, und auch die neuen C-Klasse erzielte nicht den so großen Erfolg, wie sich die Konzerndenker es sich ausgerechnet hatten. Zudem wirken besonders die Qualitätsprobleme sehr lange nach, denn viele treue Sternfahrer waren maßlos enttäuscht, als von der A- bis zur S-Klasse gravierende Rostprobleme meistens schon nach einem Jahr auftraten. Zudem sind die überhöhte Preispolitik und natürlich auch die nicht ganz zeitgemäße Motorenpalette (BMW ist mit seinen Efficent Dynamics-Motoren umweltpolitisch deutlich besser aufgestellt) nicht unbedingt Absatzfördernd. So hat sich der einst so glänzende Stern auf der Stuttgarter Konzernzentrale ein wenig hinter dicken Gewitterwolken versteckt, denn so genau hat Mister „Z“ seine Pläne für die Zukunft noch nicht ausgebreitet. Die Köpfe rauchen jedoch und wir können gespannt sein, welchen Kurs man aus der Krise nehmen wird!

Olivier Fourcade 

Finanzkrise = Autokrise?

12. November 2008

Wenn es etwas gibt, was in den letzten Wochen Konjunktur hatte, dann sicherlich das Wort Krise. Egal ob im Fernsehen, in der Tagespresse oder am beliebten Stammtisch, überall gibt es nur ein Thema, die Konsequenzen der weltweiten Finanzkrise. Und da wir Deutschen historisch gesehen schnell zu Übertreibungen neigen und klares Denken und Analysieren lieber anderen überlassen, hat sich mittlerweile eine fast flächendeckende Untergangsstimmung breit gemacht. Überall wird gespart, beim Essen, in der Freizeit, bei den Weihnachtsgeschenken, denn es gibt ja eine Krise. Es kommt mir mittlerweile so vor, dass der Virus Krise sich wie eine Seuche ausbreitet, den normalen Menschenverstand außer Kraft setzt und unser Hirn für eine noch nicht definierbare Zeitspanne auf Standby-Modus setzt. Unterstützt wird die Virus-Plage von einer gewohnt populistischen, nicht differenzierten und extrem oberflächlichen Medienlandschaft, die das Thema Krise lieber im Talk-Show-Charakter als Spielwiese für Psydo-Intellektuelle nutzt. So wird jeden Tag deutschlandweit ein perfekter Nährboden für eine psychologische Manipulation der Massen gelegt. 
Wie schon in der letzten Ausgabe erklärt, ist die Finanzkrise eine reine Bankenkrise, provoziert von einer ganz speziellen Spezies Mensch, nämlichen dem Banker. Doch jetzt bekommt das Wort Krise seit einigen Wochen noch einen neuen Zusatz, nämlich das Wort Auto. Des Mannes schönstes Spielzeug altert immer mehr und will einfach nicht ersetzt werden. So scheint es auf jeden Fall. Der Grund für die augenscheinliche Zurückhaltung beim Autokauf ist jedoch von den Autobauern selbst zu verantworten, auch wenn diese sich jetzt gerne in den Sog der großen Finanzkrise begeben, um von Versäumnissen der letzten Jahre abzulenken. Es ist schon verwunderlich, dass nach 6 Monaten anscheinender Absatzflaute die ganze Autobranche auf einmal vor einem kapitalen Kollaps stehen soll und die Herren aus den Vorstandsetagen nun vor dem Kanzleramt in einen kollektiven Hungerstreik treten, um Angela Merkel eine dem Überleben dienende Subvention abzuschwatzen…! Irgendwie ist dies eine riesige Heuchelei. In den letzten zehn Jahren sind die deutschen Autobauer von einem Rekordjahr in nächste gefahren: Audi, BMW oder auch der riesige VW-Konzern stehen finanziell so gut da wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. Jedes Quartal wurden neue Absatzrekorde gefeiert, die Prognosen tollkühn stetig höher geschraubt und dabei aber eines vergessen: Es gibt kein unendliches Wachstum. Wachstum ist kein permanenter Zustand, sondern eher ein zartes Pflänzchen, welches man hegen und pflegen muss. Oder haben Sie schon mal eine Pflanze oder einen Baum gesehen, der unaufhörlich in den Himmel wächst? So haben wir in Deutschland zurzeit keine Autokrise, sondern wir sind endlich wieder in die Normalität zurückgekehrt. Wer die Zulassungszahlen einmal ordentlich liest und interpretiert, wird feststellen, dass z.B. das Kleinwagensegment boomt und der Markt der Geschäfts- und Leasingfahrzeuge alles andere als kriselt. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden soviel Luxus- und Sportwagen verkauft wie nie zuvor. Das hört sich doch nicht unbedingt nach Krise an, oder? Das große Problem der Autobauer ist ihre weiterhin grenzenlose Ignoranz.   Im Eifer des Gefechts hat man die Zukunft nicht richtig gelesen, hat neue Trends komplett verschlafen und ist mit vielen Entwicklungen schlicht und einfach in Sackgassen gefahren. So gibt es bis heute in Deutschland offiziell kein von den großen Herstellern zu kaufendes Elektroauto. Nicht dass dies die Zukunft wäre, doch es ist ein Teil der Zukunft und der Markt wäre heute sicherlich da, die Entwicklung hat man jedoch radikal verschlafen. Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass die Autos in Deutschland viel zu teuer geworden sind, trotz Plattformproduktion und Versklavung der Zulieferindustrie. Was braucht eine Hausfrau eine im neuen Opel Corsa serienmäßig verbaute Lenkradheizung? So sollten sich unsere Autobauer wieder auf das Produzieren und Entwickeln von Autos konzentrieren, und die Zeit nicht damit verbringen, neue Absatzrekorde zu planen. Audi und VW machen es gerade klammheimlich vor. Im Getümmel ist komplett untergegangen, dass beide Firmen nicht nur neue Absatzrekorde erzielen werden, sondern sie sind auch in allen Segmenten perfekt aufgestellt und zudem für die Zukunft bestens gerüstet.  olivier fourcade