Marktwirtschaft geht vor!
Wenn sich die Politik in die Wirtschaft einmischt, bringt das meist nichts Gutes mit sich. So konnte die Bundesregierung mit ihrem Bankenrettungsfonds BAFIN sicherlich die Krise im Finanzmarkt ein Stück dämpfen und auch dievon der EU zur Verfügung gestellten Milliarden zu vernachlässigbaren Zinskursen haben einen Kollaps des Systems verhindert. Dennoch hat dies am Kern der Krise, an der Wurzel allen Übels, nicht geändert. So mehren sich leiderdie Anzeichen, dass wir erneut kurz vor einer riesigen, zweiten Finanzblase stehen. Die Spekulanten treiben seit Jahresbeginn die Rohstoffpreise wieder in die Höhe. So hat sich beispielsweise der Ölpreis innerhalb von zehn Monatenquasi verdoppelt, und das obwohl die OPEC täglich knapp eine Millionen Barrel mehr produziert, als eigentlichvorgesehen und die Öllager in der Welt bis zum Überschwappen voll sind. Sogar der amerikanische Immobilienmarkt legt wieder kräftig zu, angetrieben von den vielen Bankern, die ihre Millionenboni in teure Häuser stecken. Wie heißt es doch immer so schön: Geschichte wiederholt sich. Das Schlimme ist nur, dass weder Politik noch Finanzjongleure etwas aus der ersten Krise gelernt zu haben scheinen. Ganz im Gegenteil: Im Wissen was falsch gelaufen ist, glauben sie sich im Vorteil und rasen dieses Mal mit doppelter Geschwindigkeit in den Verderb.Das Thema Opel beherrscht seit Wochen und Monaten die Schlagzeilen. Und dies leider nicht, weil Insignia undder neue Astra im Grunde hervorragende Autos sind. Nein, die Politik hat die Opel-Krise zur Chefsache erklärt. Eine drohende Insolvenz würde tausende Arbeitsplätze kosten und wäre natürlich ein katastrophaler Start für die neue schwarz-gelbe Regierung um Kanzlerin Angela Merkel. Leider vergessen die Damen und Herren in Berlin dabei, dass die Abläufe in der Marktwirtschaft stets ganz natürlichen Gesetzen folgen. So kann man sicherlich verstehen, dasses erstrebenswert ist, Opel am Leben zu halten. Doch muss der Konzern auch ein überlebensfähiges Konzept für die Zukunft besitzen. Und das ist leider momentan nicht der Fall. Die gesamte Autobranche befindet sich im Umbruch und die Zeiten, in denen eine Automarke allein im globalen Markt überleben konnte, sind vorbei. Opel ist leider im Sumpf von kapitalen Fehlentscheidungen des Mutterkonzerns GM untergegangen, wie auch GM selbst. Wäre das amerikanische Insolvenzrecht nicht so gutmütig und hätte die US-Regierung GM nicht über Nacht quasi verstaatlicht, wäredas Thema Opel sowieso längst vom Tisch. Jetzt soll ein insolventer Mutterkonzern eine insolvente Tochter retten, im besten Fall noch mit Milliarden-Geschenken vom deutschen Staat. Da kann sich GM-Chef Fritz Henderson zwarwerbewirksam im deutschen Fernsehen entschuldigen, an der Tatsache, dass er eine gravierende Mitschuld an derMisere einer Traditionsmarke besitzt, ändert dies aber nichts. Im GM-Dunstkreis kann und wird Opel am globalen Markt nicht überleben können, und daran werden auch Milliarden-Spritzen und Entschuldigungen nichts ändern. In diesenTagen zeigt die Marktwirtschaft leider ihre eiskalte Seite und deren Regeln kann auch die Politik nicht außer Kraftsetzen, so schön es vielleicht wäre. Politik kann Management-Fehler, die über Jahrzehnte begangen wurden, nichtmit Geld ausbügeln. Das hat schon die Pleite des BauunternehmensPhilipp Holzmann Ende 1999 gezeigt, welchesüber Nacht von Ex-Kanzler Gerhard Schröder staatliche Hilfe erhalten hatte, um kurz darauf endgültig Insolvenzanzumelden. Die Politik sollte massive Eingriffe in die Marktwirtschaft unterlassen, denn damit verschiebt sie zum Nachteil aller die natürlichen Rahmenbedingungen.olivier fourcade